DasViertel

Anders Leben, anders einkaufen!

Do, 04.05.17, 10:56

Die "Europa" fährt in Bremen ein

Neue Leihgabe in der Ausstellung „Franz Radziwill und Bremen“

Seit ein paar Tagen ist die "Europa" in Bremen eingelaufen!
Ein weiteres bedeutendes Werk bereichert seit Samstag, den 29. April 2017 die Ausstellung „Franz Radziwill und Bremen“ (noch bis 9. Juli 2017) in der Kunsthalle Bremen: Das Gemälde „Der Hafen II“ aus den Staatlichen Museen zu Berlin. Bis zum 23. April 2017 war es in Berlin in der Sammlung Scharf-Gerstenberg im Rahmen der Ausstellung „Surreale Sachlichkeit. Werke der 1920er- und 1930er-Jahre aus der Nationalgalerie“ zu sehen.

Die Schiffe "Europa" und "Bremen"

In dem Gemälde „Der Hafen II“ zeigt Radziwill rechts die Europa, die vom Norddeutschen Lloyd in Auftrag gegeben worden war. Sie lief 1928 vom Stapel und trat, nach einem Großbrand während ihrer Bauzeit, 1930 ihre Jungfernfahrt von Bremerhaven nach New York an. Bei dieser gewann sie das Blaue Band für die schnellste Atlantiküberquerung.
Der linke Passagierdampfer ist die "Bremen", das Schwesterschiff der "Europa", die ein Jahr zuvor fertiggestellt worden war. Radziwill zeigt hier das erste Aufeinandertreffen der beiden Schwesterschiffe im Februar 1930 an der Columbuskaje in Bremerhaven: Die "Bremen" war soeben aus Amerika zurückkehrt, wohingegen der "Europa" die Abfahrt nach Amerika unmittelbar bevorstand.
Während Radziwill die Details der "Europa" wirklichkeitsgetreu ausführt, verbindet er in seiner Darstellung der Bremen Baumerkmale beider Schiffe miteinander: So müssten die Fensterreihen bei der "Bremen" im Vorderbereich zu Zweiergruppen angeordnet sein, während sie im Gemälde – wie für die "Europa" charakteristisch – als Vierergruppe dargestellt sind. Die Farbgebung des Schiffes hingegen entspricht jener der "Bremen" aus seinem Gemälde „Die Mole/Hafeneinfahrt mit der Bremen“, das als Pendant zu dem Werk „Der Hafen II“ zu verstehen und ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.
Radziwill malt hier also zwei bedeutende Schiffe, die mit dem Norddeutschen Lloyd von einer für die Stadt wichtigen Reederei in Auftrag gegeben worden waren. Damit verweist er nicht nur auf den Erfolg des Unternehmens, sondern zugleich auf das Wiedererstarken der Hansestadt und ihrer Schifffahrt nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges und den vielen Beschränkungen im Zuge des Versailler Vertrags.
Bereits am 7. September 1932 erwarb der damalige Direktor Ludwig Justi das Gemälde für die Nationalgalerie in Berlin, sodass Radziwill bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in dem renommierten Museum vertreten war. Das Werk war bei einigen internationalen Ausstellungen zu sehen. So wurde es zu Beginn des Jahres 1976 im Nationalmuseum für moderne Kunst in Tokio gezeigt. Und 2015/16 war es in der Ausstellung „New Objectivity. Modern German Art in the Weimar Republic 1919–1933“ im Museo Correr, Venedig, und im Los Angeles County Museum of Art zu sehen

Stichworte

Franz Radziwill, Europa, Gemälde, Kunsthalle Bremen, Ausstellung