Das Viertel - Kein gefährliches Pflaster Zurück

Die Polizei zeichnet differenziertes Bild von der Sicherheit im Ostertor und Steintor (Foto: Christina Kuhaupt)

Die Interessengemeinschaft "Das Viertel" e. V. hat aufgrund zunehmend negativer Presse über das Viertel zum Thema Sicherheit den Kontakt zur Politik aufgenommen. Durch dieses Engagement und den Austausch mit Politikern und den zuständigen Revieren ist hat die Bremer CDU zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.


Die Polizei besteht auf eine differenzierte Betrachtung der Straftaten in Bremen. (Foto: Christina Kuhaupt)


Weser Kurier: 27.06.20184

Kriminalität in Ostertor und Steintor

Ist das Viertel gefährlich?

Christiane Mester 27.06.2018 

Unter der Überschrift „Steintor und Ostertor – gefährliches Viertel?“ hatte die Bremer CDU zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Polizei bestand auf eine differenzierte Betrachtung verschiedener Straftaten.

Die Polizei zeichnete zum Auftakt ein differenziertes Bild. „Wir sehen für das Jahr 2017 einen leichten Rückgang“, fasste Polizeidirektor Derk Dreyer, Leiter der Abteilung Mitte-Süd bei der Polizei Bremen, die Kriminalitätsentwicklung im Gesamtbereich Innenstadt zusammen. Nur in der Detailbetrachtung spiegele sich dieser positive Trend nicht überall gleichermaßen wider.

„Im Bereich Steintor stellen wir insgesamt eine Aufwärtstendenz fest.“ Vor allem die Zahl der Taschendiebstähle sei hier leicht gestiegen, während sie andernorts gesunken sei, sagte Dreyer auf einer Podiumsdiskussion im Kulturzentrum Lagerhaus. „Steintor und Ostertor – gefährliches Viertel?“, unter dieser Überschrift hatte die Bremer CDU dazu eingeladen, denn sie sieht bei der Kriminalität im Viertel einen deutlichen Aufwärtstrend.

Mit Blick auf den mittelfristigen Vergleich sagte CDU-Innenpolitiker Wilhelm Hinners: „Im Jahr 2014 wurden hier 1889 Straftaten registriert und im Jahr 2017 waren es schon 2555.“ Allerdings bestand die Polizei auf den Blick ins Detail. Wohnungseinbrüche zum Beispiel seien im Steintor überhaupt kein Problem. „Darüber muss sich niemand Sorgen machen“, versicherte Dreyer.

Ebenso verhalte es sich bei den Aufbrüchen von Autos. Auch diese Zahlen seien rückläufig. Echtes Kopfzerbrechen macht der Polizei über alle Stadtteile hinweg jedoch der Anstieg von Körperverletzungsdelikten. „Das ist besorgniserregend“, kommentierte Dreyer die Statistik des vergangenen Jahres. Die Gewalt im öffentlichen Raum nehme insgesamt zu.

Diese Entwicklung resultierte in Bremen-Mitte jedoch insbesondere aus den hohen Fallzahlen rund um den Bahnhof und dort vor allem im Bereich der Diskomeile. Dass man sich im Lagerhaus zu der Gesprächsrunde traf, ging auf eine politische Initiative zurück. Ende des vergangenen Jahres hatte die CDU-Fraktion eine Große Anfrage an den Bremer Senat gerichtet, um die Kriminalitätsstatistik im Viertel abzufragen.

„Dabei ging es uns nicht darum anzuklagen, sondern einen Fokus auf die Situation hier im Viertel zu lenken“, erklärte Jörg Kastendiek, der wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, auf dem Podium. Geantwortet hat aber nicht nur der Senat. Auf die parlamentarische Anfrage gab es ebenfalls ein Echo aus der örtlichen Kaufmannschaft.

Kritik an der Medienberichterstattung

Entbrannt sei eine Diskussion um die Frage, ob die CDU mit ihrer Anfrage das Viertel in Verruf bringen wolle, fasste Jörg Kastendiek zusammen. Dies sei nicht der Fall, versicherte er. Norbert Caesar, der erste Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Das Viertel“ sah das anders. Vorhandene Probleme sollten gemeinsam gelöst werden, aber nicht an die große Glocke gehängt werden, sagte er mit Nachdruck.

In diesem Zuge kritisierte Caesar auch die Medienberichterstattung, die sich vornehmlich auf „Mord und Totschlag“ konzentriere, wie er sagte. Dies führe zu sinkenden Besucherzahlen mit negativen Folgen für die ansässigen Einzelhändler und Kulturschaffenden. Leute von außerhalb trauten sich nicht mehr ins Viertel, so seine Wahrnehmung der Situation.

Die Interessengemeinschaft habe eine eigene Befragung vorgenommen. „Die Leute, die hier leben, fühlen sich nicht bedroht“, fasste Norbert Caesar das Ergebnis zusammen. Er sprach an diesem Abend nach eigenen Angaben für rund 80 Vereinsmitglieder. Darunter seien vor allem Einzelhändler, aber auch einige Immobilienbesitzer, die Wohnungen im Viertel vermieten.

Dass sich einige Geschäftsleute aus Angst vor Überfällen ungern allein in ihren Läden aufhalten würden, wie aus dem Publikum gemutmaßt wurde, stimme mit der tatsächlichen Sicherheitslage nicht überein, versicherte auch der örtliche Revierleiter der Polizei Axel Lindemann auf Nachfrage.

Schwierigkeiten gibt es laut Caesar vor allem im Bereich Steintor. Die große Anzahl an Kiosken und der Abverkauf von Spirituosen seien ein Problem. Die Menschen konsumierten den Alkohol auf der Straße und entsorgten ihren Müll daraufhin nicht ordnungsgemäß, sondern direkt an Ort und Stelle. Zugleich würden Betrunkene eher Opfer von Überfällen.

Den Aspekt von zu viel Alkohol, Müll und damit verbundenem Lärm von Menschen in Feierlaune hat seit 2016 auch eine Initiative „Leben im Viertel“ ins Visier genommen. Deren Vertreter halten die Zustände im Viertel für insgesamt nicht mehr haltbar. Sie wollen weniger Gastronomie, mehr Kontrollen und umgehende Sanktionen bei Regelverstößen (wir berichteten).

Konzentraton auf kriminelle Verstöße

Tatsächlich verfügt die Polizei sowohl im Steintor als auch im Ostertor bereits über die Möglichkeit, verdachtsunabhängige Personenkontrollen durchzuführen. Das bedeutet, dass es rechtlich betrachtet keinen Hinweis auf das Vorliegen einer Straftat geben muss, um Passanten beispielsweise nach ihrem Ausweis zu fragen. Die Einrichtung dieser sogenannten besonderen Kontrollorte, erleichtere der Polizei die alltägliche Arbeit, sagte Dreyer. „Unsere Kontaktpolizisten laufen den ganzen Tag über die Straßen hoch und runter“, ergänzte Revierleiter Lindemann.

Allerdings konzentriert sich die Arbeit der Polizei auf kriminelle Verstöße, nicht auf Ordnungswidrigkeiten. Vor allem dem Drogenhandel habe man im Visier. Die Ermittlungsgruppe Straßendeal sei mit verdeckten Maßnahmen beschäftigt, um die Gewerbsmäßigkeit des Straßenverkaufs nachzuweisen. Auf diese Weise wolle man die Situation langfristig verbessern. Polizeidirektor Derk Dreyer verwies in diesem Zusammenhang auf die gesunkene Zahl der Raubüberfälle. Sowohl die Präsenz der uniformierten Beamten als auch die verdeckten Maßnahmen zeigten Wirkung.


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