Weser Kurier: Viertel-Umfrage - Schlechte Note für Sauberkeit im Viertel Zurück

Sigrid Schuer 26.08.2018

Viertel-Umfrage -  Schlechte Note für Sauberkeit im Viertel

Sigrid Schuer erschienen im Weser Kurier 26.08.2018

Foto: Straßenzug Vor dem Steintor im Bremer Viertel mit dem Filmkunsttheater Schauburg. (Karsten Klama)

Die Interessengemeinschaft "Das Viertel" hat eine Online-Befragung unter Kunden durchgeführt. Die meiste Kritik fiel beim Shopping-Angebot und der Sauberkeit im Viertel an.

"Ein hoher lokaler Kundenanteil ist eine gute Basis, reicht aber nicht für eine stabile, positive Entwicklung", so das Resümee von Norbert Caesar, dem ersten Vorsitzenden der Interessengemeinschaft "Das Viertel". Die Interessengemeinschaft hatte von Anfang Mai bis Anfang Juni eine Online-Befragung unter den Viertel-Kunden durchgeführt. Die Umfrage hat ergeben, dass das Viertel bei den Anwohnern, den Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs, bei Radfahrern sowie zu 54 Prozent in der Altersgruppe bis 35 Jahre gut aufgestellt ist. Eher schlecht dagegen bei Kunden aus weiter entfernten Stadtteilen und in der Altersgruppe über 35 Jahre.

30,6 Prozent der Befragten kommen gezielt ins Viertel, um shoppen und bummeln zu gehen. 42,6 Prozent, um im Viertel ein Restaurant zu besuchen oder das Nachtleben zu genießen. Noch mehr der Befragten besuchen als Theater-, Opern- und Kunst-Fans die Kulturmeile, die den Beginn des Viertels markiert (169 Stimmen). Mit der Schulnote 3 wurde das Shopping-Angebot im Viertel als mittelmäßig überzeugend bewertet. Ein weiterer Knackpunkt ist die Sauberkeit im Viertel, die lediglich die Note 4 erhält. Dass das Viertel gut erreichbar ist, davon ist allerdings die Mehrheit der Kunden überzeugt. Durchschnittlich mit der Note 2,2 beziehungsweise 2,3 wird die Beratung in den Betrieben als freundlich und kompetent und die Mischung im Viertel aus Läden und Restaurants als gut wahrgenommen. Durchschnittlich gut sind die Bewertungen bei den Punkten, dass es sich im Viertel sicher und entspannt einkaufen lässt und dass die Preise in den Läden angemessen sind.

Besser als sein Ruf 

Das Viertel sei also besser als sein Ruf, auch gerade in puncto Sicherheit, betont Caesar: "Die Polizisten haben hier die Sicherheitslage gut im Griff". Dass es in den Nachtstunden mitunter zu Problemen komme, sei nicht ungewöhnlich für eine Großstadt. Er plädiert für mehr Rücksichtnahme aufeinander im Viertel. Der Geschäftsmann fügt hinzu: "Das Viertel steht relativ stabil da, wir sind zufrieden."

Frequenzrückgänge und Schwankungen bei den Vermietungen würde es immer einmal wieder geben. Generell sei die Vermietungsquote aber hoch. Deutlichen Verbesserungsbedarf sieht Norbert Caesar allerdings bei der Sauberkeit und teilt damit die Sorgen der Bürgerinitiative "Leben im Viertel", die die Vermüllung des Viertels schon seit Längerem beklagt. Caesar sieht das als Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung und plädiert für eine stärkere Sanktionierung von Fehlverhalten, das durch die Zunahme von Kiosken noch begünstigt werde. Das Problem könne nicht allein durch ständiges Hinterherräumen gelöst werden. "Schließlich bekommt man ja auch einen Strafzettel fürs Falschparken", zieht er einen Vergleich. "Hier sind sowohl Politik als auch Verwaltung gefragt, sich mit der Einhaltung von Regeln auseinanderzusetzen, auch wenn es schwierig sein mag."

Sorgen bereiten ihm ferner die Mischung von Gastronomie, Kneipen sowie Kiosken und dem Einzelhandel im Steintor. So habe die CIMA, das Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung und Marketing im öffentlichen Raum, ein Warnsignal gesendet, dass das Verhältnis zwischen Gastronomie, Kneipen und Kiosken zum Einzelhandel von 4,8 zu 10 nicht mehr ausgewogen sei und der Einzelhandel allmählich verdrängt werde. Das Steintor laufe Gefahr, in eine Vergnügungsmeile zu kippen, zumal Kioske nicht mit Gastronomie gleichzusetzen seien. Als "Fluch und Segen zugleich" bezeichnet der Geschäftsmann das. Im Ostertor liegt das Verhältnis übrigens bei 2 zu 10.

Generell wollen die Kaufleute im Viertel das Online-Shopping keinesfalls verteufeln. "Wir müssen unsere eigenen Stärken herausstellen. Und das gelingt uns auch bereits gut mit dem vielfältigen, individuellen Angebot und der Beratungskompetenz, die wir haben. Hier müssen wir immer wieder nachlegen, denn der Kunde ist ein flüchtiges Gut", resümiert Caesar. Originelle Aktionen inklusive, wie die "Viertelstreuner", die die Kunden bei einer Schnitzeljagd durch die Geschäfte des Viertels im Rahmen der bundesweiten Aktionstage "Heimat shoppen" am Freitag, 7. und Sonnabend, 8. September aufspüren und dann behalten können. Die Idee: Jeweils ein Artikel, der nicht zum Sortiment eines Geschäftes passt, wird im Schaufenster versteckt. Ein ausführlicher Bericht dazu folgt in der nächsten Woche im Lokalteil.

Ziel bleibe es generell, mit den verantwortlichen Politikern einen intensiven Dialog zu führen, sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft "Das Viertel". So gebe es enge Kooperationsbestrebungen mit der City, etwa bei der gemeinsamen Durchführung von verkaufsoffenen Sonntagen. "Denn ein lebendiges Viertel mit einer hohen Lebensqualität und möglichst wenig Leerständen kann ja nur im Sinne der Politik sein", betont Caesar. "Und dafür brauchen wir auch ihre Unterstützung."

Resonanz nicht wie erhofft 

An der Umfrage beteiligten sich 643 Kunden. Die Vertreter der Interessengemeinschaft bedauern, dass davon nur 319 den Fragebogen vollständig beantwortet haben. Das mag aber auch daran liegen, dass die erste Informationsquelle für 50 Prozent der Teilnehmenden der Umfrage die Viertel-Anzeige bei Facebook war, auf den hinteren Plätzen folgen die Suchmaschinen im Internet, kleinere Artikel im WESER-KURIER sowie Handzettel in den Betrieben und schließlich die Website "Das Viertel" sowie diverse Beilagen.

Bemerkenswert: Das besonders bei der jungen Generation angesagte, soziale Medium Instagram liegt als Informationsquelle relativ weit hinten. Bei der 1/4-Website ist auch nach der Überarbeitung die Resonanz nicht so wie erhofft. Zwar findet die Majorität der Kundschaft, dass sie auf der Website schnell die für sie wichtigen Informationen findet. Dennoch erhält das neue Online-Schaufenster mit vielen Angeboten auf der 1/4-Website in puncto Frequentierung gerade mal die Note 3, also befriedigend, gleiches gilt für den von ihr ausgehenden Impuls, zu einem Besuch im Viertel zu animieren. Lediglich die Schulnote 4 erhält die Website als wichtige Informationsquelle für die Kundschaft. Bewertet wurde nach Schulnoten von 1 für sehr gut bis 6 für ungenügend.

Interessengemeinschaft "Das Viertel" e.V.

Blumenstrasse 8

0421 79011 849

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