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„50 Jahre Peter Brötzmann Machine Gun“

Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Film und Coverausstellung

Mai 1968 – während in Paris bereits die Barrikaden brennen, betritt Peter Brötzmannmit seinem Oktett bestehend aus den damals prägenden Vertretern im Bereich des neuen Jazz und der Improvisierten Musik in Europa das zum damaligen lokalen Zentrum um die Sielwallkreuzung gehörende jugend- und gegenkulturelle Szene-, Jazz und Beatlokal Lila Eule im Bremer Ostertor. Auch in Bremen ist nach den sogenannten Bremer Straßenbahn- bzw. Schülerkrawallen im Januar – bei denen fast ein Drittel des gesamten Bremer Straßenbahn-Fuhrparks lädiert wurde – die Stimmung aufgeheizt.

Das Equipment für die Aufnahme wird kurzer Hand von einem jungen Redakteur bei Radio Bremen ‚ausgeborgt’. Das Ergebnis der zweitägigen Session von Peter Brötzmann – damals mit seinen Gruppen eine Art ‚Hausband’ der Lila Eule: Die „aus heutiger Sicht markanteste Free-Jazz-Einspielung“ (F. Klopotek), die nicht nur als die „erste wirklich europäische Plattenproduktion der Jazzgeschichte“ (E. Jost) angesehen werden muss, sondern die auch heute noch aufgrund ihres künstlerischgesellschaftlichen Selbstverständnisses und ihrer gesellschaftlich-politischen Rezeption als Symbol oder Mythos aus den bedeutenden Jazzaufnahmen in der zweiten Hälfte der 1960er Jahren herausragt.

Die Rede ist von Peter Brötzmanns selbst produzierten und zunächst im Eigenverlag vertriebenen Free Jazz-Meilenstein Machine Gun, mit dem der Newcomer aus Wuppertal nicht nur „Unsterblichkeit erlangt“ (F. Klopotek) hat, sondern der ihn auch 1968 „schlagartig“ einem „größeren Publikum“ (B. Noglik) weit über die Jazzszene hinaus bekannt gemacht hat. Eingespielt wurde die Machine Gun von einem Oktett bestehend aus den damals „prägenden Vertretern im Bereich des neuen Jazz und deImprovisierten Musik in Europa“ (K. Vandermark) im sogenannten Pariser Mai 1968 im damaligen gegenkulturellen Bremer Kellerlokal Lila Eule, das wie auch andere Kellerlokale in den Sechzigern einen „Schmelztiegel für unkonventionelle Stile und unkonventionelles Gedankengut“ (D. Siegfried) repräsentierte. 

Zum fünfzigsten Geburtstag der Machine Gun im Mai 2018 soll mit einem Konzert in der Lila Eule, dem historischen Entstehungsort der Machine Gun-LP, die damalige Einspielung des Peter Brötzmann Oktetts gewürdigt und mit einer interdisziplinären und intermedialen zum Thema hinführenden Veranstaltungsreihe im Vorfeld des Konzerts – u.a. mit Wolfram Knauer (Direktor des Jazzinstituts Darmstadt) – auf die Bedeutungskontexte der Machine Gun und auf die damalige Situation in Bremen fokussiert, Interesse für musikalische Traditionslinien abseits vom Mainstream und kommerzieller Verwertbarkeit geweckt und Anregungen hinsichtlich einer zukünftigen Reflektion über die gesellschaftliche Verantwortung künstlerischen Schaffens sowie der eigenen Musikrezeption gegeben werden. Und natürlich soll die einmalige Gelegenheit genutzt werden, der bremischen Öffentlichkeit einen Live-Auftritt der bedeutenden Musiker in einer historischen Konstellation zu ermöglichen. 

Aufgrund des historischen Charakters der Veranstaltung hat der radikale Wegbereiter des europäischen Jazz und zu den weltweit bedeutendsten Exponenten der improvisierten Musik zählende Wuppertaler Saxofonist und Klarinettist ein Trio mit zwei weiteren Pionieren des europäischen Free Jazz zusammengestellt: dem Berliner Pianisten, Komponisten und Free Jazz-Bandleader (Globe Unity Orchestra) Alexander von Schlippenbach und dem holländischen Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten Han Bennink, der bereits vor 50 Jahren bei den Aufnahmen in der Lila Eule am Schlagzeug saß. Alle drei Musiker wurden nicht nur mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, sondern ihre jazzmusikalischen Karrieren reichen bis zu den frühesten eigenständigen, antiepigonalen europäischen Jazz-Formationen und Einspielungen zurück.

Die Veranstaltungsreihe und das Konzert werden von einem Netzwerk bestehend aus Bremer Kulturakteuren und Kulturinstitutionen – wie u.a. dem Focke-Museum, dem City 46 / Kommunalkino Bremen e.V., dem Klaus-Kuhnke-Archiv für Populäre Musik, dem Jazz-Fachbereich der Hochschule für Künste, dem Verein 23 zur Förderung intermedialen Kulturaustausches e.V. / Künstlerhaus Güterbahnhof sowie der Lila Eule– getragen.

 

Programm: 50 Jahre Peter Brötzmann Machine Gun – Mai 2018:


Mittwoch, 23. Mai 2018, 19 Uhr: VORTRAG:

„Eine brutale Gesellschaft provoziert eine brutale Musik“

Peter Brötzmanns Machine Gun als Politikum, Bremen im Frühjahr 1968, die

Entstehung von Musikerlabels und die Konstituierung der gegenkulturellen

westdeutschen Jazz-Avantgarde"

Referent: Thomas Hartmann, Moderation: Jochen Bonz

Ort: Focke Museum

anschließend werden Free Jazz-Schallplatten aufgelegt


Donnerstag, 24. Mai 2018, 20.30 Uhr: FILM:

Brötzmann

Film von René Jeuckens, Thomas Mau and Grischa Windus, Filmproduktion

Siegersbusch 2011

Ort: City 46


Freitag, 25. Mai 2018, 18 Uhr: AUSSTELLUNG:

Schallplattencover – Europas Neuer Jazz in den 1960er Jahren

Ort: Hochschule für Künste, Dechanatstraße


Freitag, 25. Mai 2018, 20 Uhr: VORTRAG:

1968 – Bremen – Brötzmann

Eine Reflektion über das ungewollt Revolutionäre eines Jazzalbums

Referent: Wolfram Knauer (Direktor des Darmstädter Jazzinstituts), Moderation:

Thomas Hartmann

Ort: Hochschule für Künste, Dechanatstraße anschließend werden Free Jazz-Schallplatten aufgelegt


Samstag, 26. Mai 2018, 19 Uhr: KONZERT:

Peter Brötzmann / Han Bennink / Alexander von Schlippenbach

Ort: Lila Eule

 

Sonntag, 27. Mai 2018, 18 Uhr: FILM:

Brötzmann

Film von René Jeuckens, Thomas Mau and Grischa Windus, Filmproduktion

Siegersbusch 2011

Ort: City 46

Weitere Informationen: www.50jahremachinegun.de

Lila Eule

Bernhardstraße 10

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