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Ausstellungseröffnung in Wilhelm Wagenfeld Haus

Welt aus Glas. Transparentes Design

Heute Abend eröffnet um 18h die neuste Ausstellung "Welt aus Glas. Transparentes Design" im Wilhelm Wagenfeld Haus.

„Transparenz“ gehört zu den Schlüsselbegriffen unserer Gegenwart. Was wir mit dem Begriff verbinden, sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Fordern wir transparentere Prozesse in Wirt-schaft und Politik oder befürchten wir den Verlust von Privatsphäre inmitten einer gläsernen Kontrollgesellschaft? Warum faszinieren uns auch im Alltag Objekte aus Glas und klarem Kunst-stoff? Die Ausstellung blickt zurück auf das 20. Jahrhundert und verfolgt die Entwicklungslinien bis zu aktuellen Diskussionen über eine gläserne Welt.

Der wissenschaftliche Blick 
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts herrscht eine wahre Transparenz-Euphorie. Die gerade entdeckten Röntgenstrahlen machen sichtbar, was dem menschlichen Auge bisher verborgen blieb, Chemiker entwickeln neue durchsichtige Werkstoffe. Moderne Gestalter verbinden den wissenschaftlichen Blick mit der Hoffnung auf eine bessere Welt. Bruno Taut baut 1914 ein Aufsehen erregendes Glashaus und hofft, das „neue Glas-Milieu“ könne die Menschen verändern. Wilhelm Wagenfeld entwirft in den 1930er Jahren Haushaltsgerät für die „gläserne Küche“ – „arbeitssparend, hygienisch und schwebend leicht“ – so heißt es in den Werbeblättern jener Zeit.

Enthüllen und Verhüllen 
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen technische Geräte mit transparentem Gehäuse auf den Markt und enthüllen Schaltkreise und Transistoren. Doch viele Kunden sind von so viel Einblick überfordert und bevorzugen Geräte, die kommentarlos funktionieren. Auch in der Mode kann Transparenz ebenso provozieren wie anregen. Seit Jahrtausenden wird mit dem Gegensatz von durchsichtigen und opaken Textilien gespielt. Mit der Entwicklung transparenter Kunststoffe eröffnen sich neue Möglichkeiten, Einsichten zu gewähren.

Die Befreiung von der Materie 
Der Wunsch, sich von der materiellen Welt zu befreien, hat in der abendländischen Kultur eine lange Tradition. Dass dieses Thema im 20. Jahrhundert im Alltag angekommen ist, zeigt die Ausstellung am Beispiel von Sitzmöbeln. 1926 hatte Marcel Breuer vorausgesagt, dass die
Menschen in der Zukunft „auf einer elastischen Luftsäule“ sitzen werden. In den 1960er Jahren nähern sich Gestalter diesem Ideal mit aufblasbaren Sesseln aus klarer Kunststofffolie. Sie sind leicht, preiswert, flexibel und setzen sich bewusst von den starren Möbeln früherer Generationen ab – Transparenz als Prostest. Zaha Hadid geht 2015 einen neuen Weg und integriert das Motiv der Bewegung: Ihr „Liquid Glacial Chair“ erinnert an einen gefrorenen Wasserstrudel.

Transparenz und Demokratie 
Für das Werkstattgebäude des Staatlichen Bauhauses in Dessau entwirft Walter Gropius 1925 eine Vorhangfassade aus Glas und Stahl. Sie löst den Baukörper auf und stellt eine Verbindung von Innen und Außen her. Der Architekturdiskurs der jungen Bundesrepublik knüpft daran an und stellt einen engen Zusammenhang zwischen gläserner Durchsicht und politischer Transparenz her. Parlamentsgebäude sollen „verglaste Räume für die öffentliche Wahrnehmung aufrichtiger Männer“ sein, so drückt es der Architekt Hannes Meyer aus.

Der gläserne Mensch 
Zeitgleich mit der Begeisterung für durchsichtige Materialien regt sich schon früh Kritik an dem Ideal der Transparenz. Heute wird dieses Unbehagen oft mit dem Begriff des „gläsernen Bürgers“ umschrieben. Im letzten Kapitel der Ausstellung soll diese ambivalente Haltung zum Transparenz-ideal thematisiert werden. Wie viel Durchsicht braucht eine funktionierende Gesellschaft, wie viele Details geben wir in sozialen Netzwerken preis, welche Strategien der Undurchsichtigkeit gibt es?

GestalterInnen und KünstlerInnen (Auswahl)
Eero Aarnio, Marcel Breuer, Jonathan Des Pas, Donato D’Urbino, Egon Eiermann, Lyonel Feininger, Walter Gropius, Zaha Hadid, Estelle und Erwin Laverne, El Lissitzky, Paolo Lomazzi, People People, Dieter Rams, Wilhelm Conrad Röntgen, Bruno Taut, Daniel Weil, Hans Schwippert, Carla Scolari, Social Impact Aktionsgemeinschaft, Philippe Starck, Carl Strüwe, Wilhelm Wagenfeld, Philip Wong, Reinhold Weiß und Fritz Winter

Bilder:
- Chair „Liquid-Glacial“, Zaha Hadid, 2015 © ZHD 2017, Courtesy of David Gill Gallery London
- Sessel “Blow”, Donato D’Urbino, Jonathan De Pas, Paolo Lomazzi, Carla Scolari, 1967 © Studio D’Urbino, Lomazzi , De Pas, Mailand, Italien, Foto: Jürgen Hans, objektfotograf.ch
-Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung Brüssel, Egon Eiermann und Sep Ruf, 1958 © saai | Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Eberhard Troeger
- Sneaker “Clear FF silver”, Sebastian Thies, 2008 © nat-2, Sebastian Thies; Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
- Damensandale, Beverly Feldman, 1990er Jahre © Beverly Feldman Designs; Foto: Jens Weyers, Bremen


Wilhelm Wagenfeld Haus

Di: 15:00 - 21:00 · Mi-So: 10:00 - 18:00

Am Wall 209

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