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Kühles Licht und weite See. Niederländische Meisterzeichnungen und ihre Restaurierung

Cornelis Saftleven Stehender junger Mann, 1661 Schwarze Kreide, Kohle Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Cornelis Saftleven Stehender junger Mann, 1661 Schwarze Kreide, Kohle Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Simon de Vlieger Das Osttor von Delft, 1634–1637 Schwarze und braune Kreide, Pinsel in Grau, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Simon de Vlieger Das Osttor von Delft, 1634–1637 Schwarze und braune Kreide, Pinsel in Grau, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Anonym, holländisch Eine mit Farnkraut bewachsene Muschel, 1698 Feder in Eisengallustinte Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Anonym, holländisch Eine mit Farnkraut bewachsene Muschel, 1698 Feder in Eisengallustinte Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Jacob Jordaens Die Darstellung im Tempel, um 1660 Rötel, schwarze Kreide, Graphit, Aquarell- und Deckfarben, Deckweiß Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Jacob Jordaens Die Darstellung im Tempel, um 1660 Rötel, schwarze Kreide, Graphit, Aquarell- und Deckfarben, Deckweiß Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Abraham van Dyck Porträt eines Mädchens Feder in Braun, braun und rot laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Abraham van Dyck Porträt eines Mädchens Feder in Braun, braun und rot laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Daniël Kerkhoff Ansicht von Haarlem mit Blick auf die Sankt-Bavo-Kirche Schwarze Kreide, grau laviert, Pinsel in Schwarz Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Daniël Kerkhoff Ansicht von Haarlem mit Blick auf die Sankt-Bavo-Kirche Schwarze Kreide, grau laviert, Pinsel in Schwarz Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Hendrik Kobell Seestück, 1767 Feder in Braun, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Hendrik Kobell Seestück, 1767 Feder in Braun, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Egbert van Drielst Weg zum Gehölz Schwarze Kreide, aquarelliert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Egbert van Drielst Weg zum Gehölz Schwarze Kreide, aquarelliert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Jan van Goyen Fischer, ihren Fang mit dem Boot anlandend, um 1650 Schwarze Kreide, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Jan van Goyen Fischer, ihren Fang mit dem Boot anlandend, um 1650 Schwarze Kreide, grau laviert Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Anton van Dyck Samson und Dalila, um 1618–1620 Feder und Pinsel in Braun Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Anton van Dyck Samson und Dalila, um 1618–1620 Feder und Pinsel in Braun Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Nach mehrjähriger Restaurierung kann der weitgehend unbekannte Bestand von rund 950 niederländischen Altmeisterzeichnungen aus der Bremer Sammlung nun erstmals in eine Auswahl von rund 180 Arbeiten präsentiert werden: Neben weiten Flachlandschaften und brausenden Seestücken werden zauberhafte Figurenstudien, exakte Porträts, derbe Wirtshausszenen und detailreich erzählende Historien in thematisch gegliederten Räumen zu sehen sein. Die Bandbreite der im Rahmen von „Kühle Licht und weite See“ (7. März bis 1. Juli 2018) gezeigten Künstler bildet die Vielfalt der niederländischen Zeichenkunst ab.

Die Ausstellung „Kühles Licht und weite See“ präsentiert ab dem 7. März rund 180 kürzlich restaurierte holländische und flämische Zeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts. Neben hochkarätigen Meisterwerken aus der Sammlung wie Anton van Dycks furiose Skizze mit „Samson und Dalila“ oder Jacob Jordaensʼ großformatiger, farbiger Entwurf der „Darstellung im Tempel“ werden bewusst auch bislang wenig beachtete und unveröffentlichte Bestände niederländischer Zeichenkunst präsentiert. Zahlreiche, oft auch anonyme Werke, die dem breiten Publikum bislang vollkommen unbekannt geblieben sind, werden erstmals erschlossen. Darunter befinden sich beispielsweise die Studie eines knorrigen alten Baumes von Abraham Bloemaert oder die Zeichnung einer mit Seegras bewachsenen Muschel, die ein Matrose samt Beschreibung im Jahr 1698 anfertigte. Dabei spannt sich der geographische Bogen von den protestantischen holländischen Nordprovinzen über die aufstrebenden Städte Amsterdam, Haarlem, Utrecht und Leiden bis hin zu den katholischen Regionen im flandrischen Süden wie etwa Antwerpen und Brüssel.

Der überwiegende Teil der Blätter wurde im 17. Jahrhundert, im sogenannten Goldenen Zeitalter der Niederlande, geschaffen. Jedoch werden auch hervorragende Werke des 16. Jahrhunderts und eine ganz ausgezeichnete Gruppe von Landschaften des 18. Jahrhunderts zu sehen sein, die sich mit Phänomenen von Licht und atmosphärischer Stimmung auseinandersetzen. Holländische Landschaftszeichnungen bilden einen ausgeprägten Schwerpunkt sowohl in der Sammlung als auch in der Ausstellung. Neben zwei frühen Weltlandschaften aus der Vogelperspektive werden Kreidezeichnungen des frühen 17. Jahrhunderts gezeigt, in denen sich eine neue Landschaftsauffassung ausprägt: Die Künstler zeichneten zunehmend in der Natur; sie widmeten sich dem Wald, den Dünen, dem Meer und ihrer heimischen Umgebung, die sie als bildwürdig erachteten und realistisch wiedergaben. So werden etwa Werke von herausragenden Landschaftszeichnern wie Jan van Goyen, Jacob van Ruisdael und Esaias van de Velde zu sehen sein.

Die Präsentation wird durch illustrierte Bücher und Druckgraphiken ergänzt, die einen direkten Bezug zu den Zeichnungen aufweisen.

Restaurierung

Seit 2014 wurden rund 950 niederländische Altmeisterzeichnungen systematisch konservatorisch und restauratorisch bearbeitet. Dieser Schritt bildet die Grundvoraussetzung für die wissenschaftliche Forschung, Publikation und Ausstellung der Werke. Damit wird die Kunsthalle gleich mehreren ihrer vorrangigen Aufgaben als Museum gerecht: dem Erhalten und Pflegen der vorhandenen Sammlung, aber auch der Erschließung für Öffentlichkeit und Forschung. Die systematische Konservierung und Restaurierung war mit Hilfe einer gro.zügigen Förderung durch die HERMANN REEMTSMA STIFTUNG möglich.

In der Ausstellung werden auch die verschiedenen Aspekte der Restaurierungspraxis, vom Entfernen alter Montierungen und Reparaturen über die Reduzierung von Flecken bis hin zur Stabilisierung von Zeichenmitteln thematisiert. Die Zeichnungen haben eine Geschichte von mehreren Hundert Jahren hinter sich, die nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen ist. So konnten beispielsweise im Laufe der Restaurierung durch Luftverschmutzung oxidierte und dadurch schwarz gewordene weiße Farbpartien wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Auch Risse wurden geschlossen und Fehlstellen im Papier ergänzt. Ein eigens eingerichteter Raum beleuchtet die Arbeit der Restaurierung sowie Fragen nach historischen Materialien, etwa die Herstellung verschiedener Papiere oder die Verwendung unterschiedlicher Zeichenmittel wie Kreiden und Tinten. 

Ein besonderes Highlight werden Zeichnungen sein, die den Besuchern erstmals auch ihre spannenden Rückseiten offenbaren. Papier war kostbar und Künstler nutzten es oft beidseitig. So findet sich auf der Rückseite einer kleinen Landschaft im Mondschein von Anthonie Waterloo die Bestellung verschiedener W.schestücke bei einem Schneider. Der Delfter Maler Leonaert Bramer zeichnete auf der Vorderseite eines großen Blattes den Blick in eine Schmiede und auf der Rückseite Bauern bei der Ernte.

Niederländische Altmeister im Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett, die Sammlung für Arbeiten auf Papier, war der Ursprung des Kunstvereins. Es waren Liebhaber der Graphik, die sich 1823 zu gemeinsamen Treffen und Diskussionen vor Originalen zusammenfanden und schließlich den Kunstverein ins Leben riefen. Die ersten großen  Vermächtnisse, die Schenkung der Sammlungen von Hieronymus Klugkist 1851 und von Johann Heinrich Albers 1856, enthielten fast ausschließlich Zeichnungen und Druckgraphik, darunter eine beträchtliche Anzahl niederländischer Werke. Eine umfangreiche Schenkung mit vielen niederländischen Altmeisterblättern gelangte noch 1981 aus Delmenhorst in die Sammlung. Ein Großteil der ausgestellten Zeichnungen wurde jedoch bereits vor 1900 erworben und zählt damit zu den ältesten Beständen des Kunstvereins in Bremen.


Veranstaltungshighlights:

Dienstag, 15. Mai, 18 Uhr: Ausstellungsgespräch: Vom Flicken, Stopfen, Waschen und Bleichen: Zauberküche Restaurierung mit den Restauratoren Olaf Simon (Dresden), Carsten Wintermann (Weimar) und Jutta Keddies (Bremen)

Dienstag, 12. Juni, 19 Uhr: Ausstellungsgespräch: Vom Schöpfen, Trocknen, Schneiden, Falten und Binden: der Zauberstoff Papier, mit Magdalene Christ (Bergisch Gladbach)

Dienstag, 20. bis Mittwoch 23. März: Osterferienkurs Papierschöpfen für Kinder ab 6 Jahre

Förderer:

Die Ausstellung wird gefördert durch die ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius (Ausstellungskatalog), Mittel aus dem Nachlass Ralf Hartel, Bremen, den Freundeskreis des Kupferstichkabinetts, die Martha Pulvermacher Stiftung und eine Gruppe privater Förderer.

Kunsthalle Bremen

Di: 10:00 - 21:00 · Mi-So: 10:00 - 18:00

Am Wall 207

0421 329080

info@kunsthalle-bremen.de

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