Zu Gast bei: Jiska Engelke Zurück

Wir besuchen eine Portraitmalerin in ihrem Atelier

Es ist ein wunderschöner Herbsttag. Die Sonne strahlt und die buntgefärbten Blätter fallen langsam zu Boden. Jiskas Atelier in einem Altbremer Haus im Viertel ist lichtdurchflutet. Wo sonst ihre Modelle sitzen, liegen heute Zeichnungen oder stehen Ölgemälde. Denn Jiska ist gerade dabei, Arbeiten auszuwählen, die sie während der "offenen Ateliers" am 2. und 3. November präsentieren möchte. Auch die anderen Vorbereitungen für die Veranstaltung laufen auf Hochtouren. 

Seit dem Schulalter lebt die gebürtige Holländerin in Deutschland, seit 1996 in Bremen. Ihr Weg zur Kunst habe viel mit ihren Wurzeln, vor allem ihrer Großmutter zu tun, erzählt sie: „Immer, wenn wir meine Großmutter in den Ferien besucht haben, hat sie mit uns Museen in Amsterdam besichtigt oder ist mit uns ins Theater und Ballett gegangen. Sie wollte, dass wir damit aufwachsen. Als Kind hatte ich allerdings eine bewundernde Perspektive auf große Künstler. Dass ich selbst malen könnte, kam mir nie in den Sinn.“ Erste Bestätigung für ihr Talent habe sie von ihrer ersten Liebe erfahren. „Ich habe dann in der Schule den Kunst-Leistungskurs gewählt. So ist der Traum in mir gewachsen.“

Zuerst studierte Jiska jedoch Graphik-Design in Mannheim und nahm parallel Unterricht in klassischer Ölmalerei bei Alfons Klein, einem Professor der Mannheimer Hochschule für Gestaltung. „Mein Professor war es, der das Feuer für Malerei in mir gesehen und gefördert hat. Ich bin ihm immer noch sehr dankbar für alles, was er mir beigebracht hat und außerdem, dass er mich so selbstverständlich in seine Familie integriert hat.“  

Mehrere Jahre arbeitete Jiska danach als Graphikerin in einem mittelständischen Buchverlag in Weinheim. Obwohl sie dort erfolgreich war, entschied sie sich später doch dazu, ihrer wahren Leidenschaft zu folgen und an der Wackers Academie in Amsterdam Malerei zu studieren. „Ich war damals 32 und dachte, dass ich es jetzt einfach versuche. Ich wollte mutig sein und in meinem Leben nicht nur funktionieren. Ich wollte etwas machen, das mir persönlich Freude bereitet. Die Entscheidung für die Malerei war letztendlich also eine Entscheidung für mich selbst.“

Seit Beginn ihres Studiums war sie vom Portrait fasziniert, vom Menschen, dessen Persönlichkeit und Einzigartigkeit sie ergründen und wiedergeben möchte. Erste Aufträge zu bekommen, sei kein Problem gewesen, erzählt die Malerin, die auch heute noch von den Bestellungen und Auftragsarbeiten lebt. „Ein Kunde hat dem anderen von mir erzählt und das finde ich auch gut so. Viel Werbung ist gar nicht nötig.“

Jiska malt ihre Portraits bei Tageslicht in ihrem Traditions-Atelier im Viertel. Außerdem gibt sie seit 1999 Kurse, bei denen Laien und professionelle Künstler zusammenkommen. Nicht nur um dasselbe Modell zu malen und zu zeichnen, sondern auch, um sich im Gespräch auszutauschen –allesamt „verbunden über das gleiche Feuer“.  

Der Kontakt zu Gleichgesinnten ist es übrigens auch, was den Zusammenschluss „Kunstwerk im Viertel“ so besonders für sie macht: „Kunstwerk im Viertel zeigt sich als vibrierendes,  pulsierendes, kreatives Potential im Viertel, das sich hinter unscheinbaren Mauern verbirgt. Mich verbindet es warm mit den vielen anderen Kunstschaffenden.“ Auch die Verbindung von Einzelhandel und Kunst anlässlich der offenen Galerien und des verkaufsoffenen Sonntags sei für sie einzigartig. 

Mehr Infos unter: www.jiska.com