Vom „Phantom der Oper“ ins Viertel Zurück

Wir besuchen Kay und Marcus von „Hats on Stage“


Zum verkaufsoffenen Sonntag am 03. November 2019 öffnen die Ateliers und Werkstätten bei uns im Viertel wieder für zwei Tage ihre Türen. Als Vorgeschmack darauf haben wir uns mit Hutmacherin Kay Schmitz und ihrem Lebens- und Geschäftspartner Marcus Pick zum Interview getroffen. In der schönen Straße „Fedelhören“, in der sich hochwertige Modeateliers, Kunsthandwerksgeschäfte und Antiquitätenläden angesiedelt haben, stellen die beiden Hüte für Privat- und Bühnenkunden her. 

Wenn sich Kay Schmitz mit etwas auskennt, dann mit Hüten: Schon seit ihrem 21. Lebensjahr ist die Wahlbremerin mit Leib und Seele Hutmacherin. Nach ihrer Ausbildung in Frankfurt leitete sie ein Atelier am Jungfernstieg in Hamburg und bereite sich gleichzeitig in Abendkursen auf ihre Meisterprüfung vor. „Nach der Prüfung wollte ich etwas Neues ausprobieren“, erzählt Kay, die der Theaterbereich schon lange gereizt hatte. Denn bei der Herstellung spielen dort ganz andere Kriterien eine Rolle. „Ein Hut im Theater muss vor allem die Merkmale einer Figur aus weiter Entfernung deutlich machen können. Er muss gegebenenfalls auch in der Größe verstellbar sein, falls er von verschiedenen Schauspielern getragen wird und der Cast wechselt. Besonders herausfordernd sind Tanz-Szenen.“

Was für Kay folgte, waren erste Erfahrungen im Bühnenbereich und anschließend eine Anstellung beim Musical „Das Phantom der Oper“ in Hamburg. Später bekam sie außerdem die Möglichkeit, am Theater in Bremen anzufangen. „Bremen fand ich auf Anhieb total nett und sympathisch. Allerdings wurde es mir irgendwann zu viel, von Hamburg hin und her zu pendeln. Also bin ich umgezogen und hatte das große Glück, dass mein Partner mit nach Bremen gekommen ist.“ Im Jahr 2008 haben sich Kay und ihr Lebenspartner Marcus Pick gemeinsam im Viertel selbstständig gemacht – damals noch in der Straße „Beim Steinernen Kreuz“, ihr heutiges Atelier teilen sie sich mit einer Modemacherin und zwei Goldschmieden. Die Gemeinschaft nennt sich „Tragwerk“.

„Ich bin wohl das, was man einen typischen Quereinsteiger nennt“, stellt sich Marcus vor, der „vor einer gefühlten Ewigkeit“ eine kaufmännische Ausbildung absolviert hat. Im Atelier übernimmt er vor allem vorbereitende Arbeiten, schneidet Stoffe zu oder passt Schnitte an. „Das geht bei uns Hand in Hand, vom Schneidetisch direkt zur Nähmaschine.“ Auch um Verwaltung und Marketing kümmern sich die beiden gemeinsam. „Es gibt hier immer so viel zu tun – da ist es toll, wenn man sich gegenseitig unterstützen kann! Vor allem bei Bühnen-Aufträgen, wenn es wieder schnell gehen muss, oder wir ganze Chorsätze anfertigen müssen.“ Zwischen acht Stunden und mehreren Tagen dauert es, einen Hut zu produzieren.  

Womit sie gerade beschäftigt sind? „Gerade haben wir einen Wyatt Earp-Hut für eine Westernshow gemacht und nun stellen wir Hüte für ein Theater in Süddeutschland her, das zu Weihnachten 'Räuber Hotzenplotz' aufführen möchte.“ Die Zusammenarbeit mit Theatern kann völlig unterschiedlich ablaufen, weiß Kay zu berichten. „Mal werden wir darum gebeten, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen, mal bekommen wir eine konkrete 'Bauanleitung' für die Hüte. Je nach Kostümbildner, mit dem wir Kontakt haben.“ Aber genau diese Abwechslung ist es, die ihren Alltag so spannend und vielfältig macht, findet sie. „Wir haben mit den verschiedensten Kunden und Wünschen zu tun, natürlich ebenso im privaten Bereich. Zum Beispiel mussten wir in der Vergangenheit einen Hut für einen Besuch beim Bundespräsidenten machen.“ Neben solchen Anfragen arbeiten Kay und Marcus auch für Shows auf Kreuzfahrtschiffen und schicken ihre Hüte damit sozusagen um die ganze Welt.

„Natürlich kostet das, was wir hier herstellen mehr als die Modelle von der Stange und im Kaufhaus“, erklärt Marcus abschließend. „Dafür ist es aber etwas Besonderes, etwas Individuelles, etwas Hochwertiges, etwas aus Naturprodukten. Und das gilt nicht nur für uns, sondern auch für die anderen Kunsthandwerker und Künstler, die im Viertel ansässig sind. Hier wird mit Leib und Seele produziert, direkt vor Ort, direkt in Bremen.“  „Genau!“, pflichtet ihm Kay bei. „Wir wollen letztendlich ja dafür sorgen, dass unsere Kunden sich wohlfühlen und im wahrsten Sinne des Wortes gut behütet durch ihr Leben gehen.“


Hats on Stage

Mo-Fr: 11:00 - 16:00

Fedelhören 93

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