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Der letzte Kaffeeröster im Viertel

Zum 40. Jubiläum am Dobben: Wir besuchen Gerhard Hemken in seinem Kaffee- und Teeladen

In Bremen hat Kaffee eine lange Tradition, Gassen und Straßen duften auch heute nach den kostbaren Bohnen. So auch bei Gerhard Hemken, der seit dem 1. August 1980 seinen Kaffee- und Teeladen am Dobben 69 führt, die letzte Rösterei im Viertel. Geröstet wird dort noch in Handarbeit, besonders schonend und bei niedrigen Temperaturen.
„Wenn ich jemanden einen Probier-Tipp geben sollte“, fängt der Ladenbesitzer seinen Rundgang an, „wären das die aromatisierten Sorten. Wir haben zum Beispiel Karamell, Schoko-Sahne, Toffee, Vanille, Macadamia und Irish Coffee im Angebot.“ Verkaufsschlager ist aber der klassische Espresso. „Ich bevorzuge eine Bohne aus Mexico, die ist sehr mild im Geschmack.“

Seit 1951 existiert der Familienbetrieb in Bremen, bis 1972 wurde er als Versandhandel geführt. Sein jetziges Zuhause am Sielwall-Eck hat er dann 1980 gefunden: „Als mein Vater krank wurde“, erzählt Gerhard Hemken, „habe ich das Geschäft übernommen, alles learning by doing.“ Denn der gelernte Kaufmann war früher eigentlich als Musiker unterwegs: „Halbprofessionell, kann man sagen. Meine Band 'Happy Times' und ich sind damals sogar im Star Club in Hamburg aufgetreten, in dem auch die Beatles waren.“

Neben Anekdoten wie diesen hat er – als waschechtes Viertelkind – natürlich auch viele Geschichten über den Stadtteil parat. „Das Viertel hat Ecken und Kanten, natürlich mit Vor- und Nachteilen, aber das macht es für mich auch aus“, beschreibt er seine Beziehung zum Standort. „Es ist sehr vielfältig hier.“

Mit dem Aufkommen von Discountern hat sich das Kaffeegewerbe und damit auch das Erscheinungsbild des Viertels, allerdings stark verändert: „Die ganzen kleinen Manufakturen und Röstereien, die es hier früher gab, konnten mit der Masse und den günstigen Preisen der vakuumverpackten Kaffees aus den Märkten nicht mithalten und mussten in der Folge schließen.“ Um diesen Einbruch zu kompensieren, hat „Kaffee Hemken“ sich dazu entschieden, Tee mit in das eigene Sortiment aufzunehmen. Die Rettung, wie Gerhard Hemken heute sagt.

Bei ihm und seinem Team gibt es Kaffee- und Teesorten aus aller Welt zu entdecken, daneben auch Zubehör und weitere Kleinigkeiten, die sich gut verschenken lassen: Tee-Eier, Teeblumen, Räucherstäbchen, Kekse, Kakao und vieles mehr.
Die Atmosphäre im Geschäft erinnert an einen alten Kolonialwarenladen, in dem man sich kennt und freundschaftlich begrüßt, wenn die Türglocke klingelt: „Ich habe viele Stammkund*innen. Einige davon besuchen mich noch Jahre später, sogar wenn sie aus Bremen weggezogen sind. Wir sind eine der letzten Konstanten im Viertel.“ Das Traditionsgeschäft hat außerdem einen eigenen Online-Shop aufgebaut, mit dem mittlerweile Kund*innen aus ganz Deutschland bedient werden. Gerhard Hemken hofft, dass seine Tochter den Laden später weiterführt.

Dass im Moment wieder ein größerer Fokus auf dem Thema Kaffee liegt, freut ihn indes sehr: „Natürlich gibt es durch die Barista-Kultur, die in den Großstädten Einzug gehalten hat, mehr Konkurrenz, aber die belebt ja bekanntlich das Geschäft. Es ist einfach schön zu sehen, wie unser Produkt wertgeschätzt wird und wie wichtig den meisten Kund*innen wieder Qualität und Bekömmlichkeit geworden sind.“  
Beim Hemken wird drei- bis viermal in der Woche geröstet, im Verfahren der Trommellangzeitröstung. „Durch den langen Röstprozess wird der Geschmack am Ende nicht sauer. Zum Vergleich: In der Industrie werden die Bohnen innerhalb von 2 Minuten auf 400 Grad ‚hoch geschockt‘, das Produkt enthält dementsprechend mehr Bitterstoffe und ist säurehaltiger. Wir rösten im Gegensatz dazu innerhalb von 15 bis 20 Minuten auf 200 Grad. Alles in Handarbeit, die zwar aufwendiger ist und mehr kostet – aber der Geschmack lohnt sich!“

Kaffeerösterei Hemken

Mo-Do: 9:30 - 13:00 · Mo-Do: 14:30 - 18:30 · Fr: 9:00 - 18:30 · Sa: 10:00 - 14:00

Am Dobben 69

0421/78526

info@kaffee-tee-hemken.de

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